Indienreise 2020 – Teil 1 2


Ein Airbus A350 bringt mich am 4. Januar in nur 6:30 Stunden mit einer Spitzengeschwindigkeit 1.117 km/h von München nach Delhi. Mit einem Anschlussflug erreiche ich den Flughafen in Hyderabad, wo mich die Schwestern Rajamma und Bridgit mit einem Tuch und einer Blumengirlande herzlich empfangen.

Mit dem Auto geht es weiter nach Gajwel zum „Jesus Mary and Joseph Konvent“ (JMJ), wo ich wieder herzlich empfangen werde. Dieses Mal von den Schwestern und von unseren 13 Patenmädchen, die zur Feier des Tages ihre schönsten Kleider tragen.

Nach einer kurzen Rast und dem Mittagessen besuchen wir alle unsere Patenkinder in deren zu Hause. Es ist gut, dass es ein Sonntag ist und ich daher nahezu alle Familienmitglieder kennen lernen darf. Sie wohnen überwiegend in sehr kleinen, aber sauberen und aufgeräumten Häusern oder Wohnungen. Für uns unvorstellbar, wie man auf solch engem Raum mit bis zu drei Generation zusammenleben kann. Sie haben nicht viel: ihre Kleider, evtl. 2 Plastikstühle und einen altes, kleines Röhrenfernsehgerät und evtl. ein Bett. Trotzdem schlafen die meiste, ob jung oder alt, auf einer Matte auf dem Fußboden. Gekocht wird auf einem Gasherd und nur mit Küchenutensilien (Töpfe, Teller und Becher aus Edelstahl) sind sie gut ausgestattet. Für uns unvorstellbar: nicht in jedem Haus findet man eine Toilette.

Am nächsten Morgen um 09:00 Uhr ist Schulbeginn in der St. Joseph’s High School. Die Schülerinnen und Schüler nehmen die Gelegenheit anlässlich meines Besuchs sehr gerne wahr und führen ihre „Cultural Gala“ mit verschiedenen Tänzen, Liedern und Gebete auf. Unter den tanzenden Mädchen sind wahre Talente, angeführt von unseren Patenkindern Shireesha, Uma und Deepika. Es wäre mir eine Riesenfreude, wenn diese drei Tänzerinnen an einer unserer Diwali-Feiern ihr Können zeigen könnten …

Im Anschluss an diese eindrucksvolle Show besichtigen wir die von uns finanzierte „Dining Hall“. Sie bietet den Schüler*innen Schutz vor Nässe und Sonne beim Mittagessen und kann natürlich auch bei Vorbereitungen zu ihren Auftritten oder eben bei diesen Anlässen genutzt werden.

Gleich nach dem Mittagessen fahren wir weiter nach Karunapuram/Peddapendiala. Auch da gibt es ein herzliches Willkommen mit Blumenstreuen und Trommeln. Wir haben hier wir für die etwa 850 Schülerinnen des JMJ Degree College for Women mit angeschlossener Herberge schon in den Vorjahren eine Wasseraufbereitungsanlage, einen Brunnen und ein Wassersammelbecken finanziert.

Ich habe Glück, denn die Mädchen haben heute Sportunterricht und zeigen mir ihre verschiedenen Spiele und Kämpfe: Volleyball, eine Variante zu unserem Faul-Ei, Gymnastik und Karate.

Zum Schluss wird mir noch Anusha vorgestellt. Sie wird 18 Jahre alt und ist eines von drei Kindern ihrer blind geborenen Eltern. Diese bekommen eine ganz kleine Rente und können kaum für den Lebensunterhalt aufkommen. Anusha studiert im 1. Semester Bachelor of Commerce (B-Com), ihre Schwester (13 Jahre) geht in die 9. und ihr Bruder (11 Jahre) in die 5. Klasse.

Für Anusha suchen wir eine Patin/einen Paten, der sie mit monatlich 20 Euro unterstützt, damit sie ihr Studium beenden kann. Bitte kommen Sie unverbindlich mit ihren Fragen zu einer Patenschaft auf mich zu.

Am nächsten Morgen geht es schon weiter in Richtung Mahabubnagar. Auf dem Weg besuche ich das Straßenkinderheim „Sneha Sadan“ (Haus der Freundschaft), in dem über 60 Mädchen eine liebevolle Bleibe gefunden haben. Gespannt warte ich, bis wir die neu renovierte Küche besichtigen.

Dies war nur durch unsere bereit gestellten Mittel möglich. Entsprechend dankbar sind die Leiterin Sr. Celine, aber auch die angestellten Frauen, die täglich dafür sorgen, dass die Mädchen nicht hungrig ins Bett gehen müssen.

Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden und kann mich mit der Gewissheit, dass das Geld sehr gut investiert wurde, von den Schwestern und den Mädchen nach Mahabubnagar zu meiner privaten Naturheilkunde-Kur verabschieden. 

Reiner Schmid

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2 Gedanken zu “Indienreise 2020 – Teil 1

  • Vera

    Hallo Reiner, wunder-wunderschön. Das weckt wieder die Sehnsucht nach Indien in mir. Zu den Bildern sage ich: Das ist für mich Luxus. Einfach herrlich. Das sogenannte Duschen (bucket-shower) habe ich noch sehr gut in Erinnerung. Leider kann ich mir eine solche Reise nicht mehr erlauben. Aber es freut mich ganz arg für Dich

    • Reiner

      Vielen Dank, liebe Vera, für deinen Kommentar und vor allem, dass du dich für mich freust. Wünsche dir alles Gute und ich würde mich freuen, wenn wir uns an Diwali (31.10.) und/oder an „Culture Curry“ (14.11.) sehen werden. LG, Reiner